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Mit dem Kreuzfahrtschiff durch Schwedens Süden – Götaland

Familie Halm unterwegs auf dem Göta-Kanal vom 01.09. bis 04.09.2008

“Ein Segler, der nicht den Göta-Kanal befahren hat, ist kein Segler”, sagt man.
Diesen auf eigenem Kiel zu befahren, wollten wir uns in unserem Alter nicht mehr zumuten.
Also entschieden wir uns für eine Schiffsreise mit dem ältesten Kreuzfahrtschiff der Welt „Juno“, gebaut 1874.

Der Göta-Kanal, auch “Schwedens blaues Band” genannt, verbindet die Ostsee mit dem Kattegat. Über die großen Seen Vänern und Vättern wurde er als Schwedens historischer Wasserweg für die Schifffahrt erschlossen.
Die 4-tägige Route von rund 600 Kilometer führte uns von Göteborg nach Stockholm, durch Seen und Gewässer. Knapp ein Drittel davon ist Kanalstrecke. 190 Kilometer mit 58 Schleusen, mit denen ein Höhenunterschied von 91,8 Metern überwunden werden muss.

Der Flug nach Göteborg verlief nach Plan und ohne Zwischenfälle. Am nächsten Tag bringt uns ein Taxi frühzeitig zum Anlegehafen Packhuskajan, wo wir die Kabine Nr. 12 auf dem Schiff einnehmen. Um 9.00 Uhr legt die Juno ab. Sie ist 31,45 mtr. lang und 6,68 mtr. breit mit einem Tiefgang von 2,72 mtr. und kann rund 60 Gäste an Bord aufnehmen. Unsere Reisegruppe umfasst 36 Gäste.

Die Schleusenkammern sind nicht viel größer als das Schiff. Es bleibt nur wenig Platz um das Schiff herum. Man kann mit ausgestreckter Hand das Uferschilf erreichen.
Holzfender an den Seiten schützen die „Juno“ vor Schrammen in den Schleusen. Sie müssen sehr oft erneuert werden, da sie zwischen steinernen Ufer und stählernen Rumpf zermahlen werden.
Auf dem Wasserweg des Flusses Göta Älv erreichen wir die erste Schleuse, die wir bei Lilla Edet passieren. Sie war die erste in Schweden überhaupt und wurde 1607 eingeweiht. Die nächste Schleusentreppe bei Trollhättan fällt 32 Meter. Von vier Schleusenbecken ist nur noch die größte in Betrieb. Auf dem alten Schleusengelände spazieren wir zu einem Besuch des Trollhätte Kanalmuseum.

Des nachts nimmt das Boot über die Schleuse Brinkebergkulle Kurs auf den offenen Vänern See, dem größten See Schwedens. An Schlafen ist bei dem Motor- und Wellenrumpeln nicht zu denken. So erblicke ich gegen Mitternacht beim Ausguck aus dem Bullauge, das mit Scheinwerfern angestrahlte Schloß Läckö. Ein Gast auf Deck hatte gegenüber dem Käpten den Wunsch geäußert, das Schloß zu photografieren, was der Grund für die Anstrahlung war. Ich just diesen Augenblick erwischte. Das weiße Schloß, das auf einer Landzunge im Vänern liegt, zählt zu den schönsten Schwedens.
Am nächsten Tag beginnt bei Sjötörp der Götakanal. 58 kleine Schleusen sind zu bewältigen.

(Zum Vergrößern bitte auf die Bilder klicken)

 

Die Schleusenkammern heben oder senken die Schiffe ja nach Lage zwischen 10 Zentimeter und achtzehn Metern.

In wunderschöner Umgebung passieren wir eine Reihe von verschiedenen Schleusensystemen. Außerdem bekommen wir im Verlauf des Götakanals eine Vielzahl von Brücken zu sehen. Von den 50 Brücken des Götakanals unterscheiden wir unter Rollbrücken, Klappbrücken, Dreh- und Schwenkbrücken. Die Durchfahrten an den alten Brücken sind ähnlich eng wie die Schleusenkammern.
Mische mich unter die Frühaufsteher zum gemeinsamen Morgenspaziergang von 1,5 km bis zur nächsten Schleuse. Einfach erfrischend.
Bei Töreboda kreuzt die Bahnlinie Göteborg-Stockholm den Kanal. Den Kontrast dazu bildet die sehenswerte kleinste Fähre Schwedens „Lina“, die über den Götakanal übersetzt.

Mittlerweile erreichen wir den höchsten Punkt, den gegrabenen Bergkanal, 91,5 mtr. über dem Meer, der mit einem Obelisken markiert ist. Der Bergkanal wurde 1930 bis 1933 in einem Felsen gesprengt, um eine scharfe Biegung im Kanal zu begradigen.
Diese Passage gehört zu den schönsten des gesamten Götakanals. Das Schiff steuert durch Kanalengen, umgeben von sattem Grün, dichtem Urwald wie durch eine Märchenlandschaft. Das Schilfgras verneigt sich vor uns am Uferrand und der mit vielen Teichrosen bewachsene See Viken empfängt uns.
Besuchen die Festungsanlage Karlsborg. Sie sollte der schwedischen Regierung bei feindlichen Angriffen als Rückzug dienen. 90 Jahre wurde daran gebaut, danach war sie militärtechnisch völlig überaltert.

Anschließend überqueren wir den zweitgrößten See Schwedens, den Vätternsee. Unser Ziel ist Motala, auch „Hauptstadt des Götakanals„ genannt. Motala gilt als die Wiege der schwedischen Industrie. In Motala Verkstadt entstanden die Schiffe, Brücken und auch Lokomotiven. Abends besuchen wir das Motormuseum mit seiner umfassenden Sammlung von Fahrzeugen, Radios und Spielzeugen. Sehenswert.

Das Götakanalschiff „Juno“ legt ausnahmsweise zur Nacht fest. So bekomme ich mal eine Nacht Schlaf. Meinem Käpten fehlen die Schiffsgeräusche, klingen sie doch wie Musik in seinen Ohren. Übertönen sie außerdem mein Schnarchkonzert, was ihm ansonsten seinen Schlaf raubt, wie er meint.

Der dritte Tag beginnt mit einem Sonnenaufgang über dem Borensee. Die Schleuse Borensberg, die zum See führt, wird wie vor ca. 200 Jahren noch von Hand bedient. Eine schweißtreibende Arbeit.
Es geht am Göta Hotel mit dem dahinter liegenden Lusthaus vorbei. Eine tief in den Kanal hineinragende Biegung, die auch Schrecken des Steuermanns genannt wird, erfordert bei Strömungsabtrift, dass ein Bootsmann an Land zur Sicherung die Boller mit einem Anbinder belegt.

Nun erreichen wir Bergs Schleusensystem, welches insgesamt 15 Schleusen umfasst. Dabei ist die „Carl-Johans“ Schleusentreppe mit sieben miteinander verbundenen Schleusen die längste des Kanals.

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Während einer längeren Schleusenzeit spazieren wir zum ehemaligen Nonnenkloster Vreta, das heute als Pfarrkirche genutzt wird. Am Kanal entlang finden wir an Bord zurück und fahren hinaus auf den See Roxen.

Kurzer Aufenthalt in Söderköping. Bei Mem verlassen wir die letzte kleine Kanalschleuse und gelangen auf die Ostsee. Im Morgenlicht kreuzt das Boot zwischen den Schären. Wieder frühzeitiges Aufstehen, um die längste Schleuse „Södertälje“ Skandinaviens mit 135 mtr. nicht zu verpassen. Wir gelangen damit auf den drittgrößten See Schwedens, dem Mälarsee.

Ein Stopp auf der Insel Björkö wird eingelegt. Archäologen führen uns drei Kilometer über hügeliges Gelände. Hier galt die Wikingerstadt Birka als die erste Stadt Schwedens, wo sich ein bedeutender Seehafen mit internationalem Handel befand. Im Museum sehen wir Filmdokus zur Geschichte.

Es bleibt noch so viel Zeit, um am Schloß Drottningholm, wo seit 1981 die Königliche Familie wohnt, vorbei zu fahren. Eine weiße Motoryacht vor dem Schloß gehört der Familie. Die letzte Schleuse auf unserer Reise bringt uns vom Mälarsee in den Saltsjö, wo die Juno am Skeppsbrokajen in Stockholm anlegt. Über einen roten Teppich an der Gangway verlassen wir wehmütig das Schiff und verabschieden uns dankend von der umsichtigen Crew.
Erlebnisreiche unvergessliche Tage gehen zu Ende.

Erlebt und geschrieben von Helga Halm
September 2008